Rückenschmerzen
Sitzen ist das neue Rauchen | Blog Eintrag

Sitzen ist das neue Rauchen? Ist es nichts Neues, dass Sitzen als Ursache für viele gesundheitliche Schäden bekannt ist. Aber warum und was passiert genau? Forscher und Ärzte beschäftigen sich schon seit längerem mit dem Thema “Sitzen, gesunde Haltung und deren Auswirkungen auf die Gesundheit”. Neuste Ergebnisse bestätigen, dass längeres Sitzen Langzeitschäden hervorrufen kann.

Der menschliche Körper, mit all seinen verschiedenen “Prozessen” (Sichtbar oder nicht sichtbar, wie z. B. unser: Hormonsystem, Blutkreislauf, passiver und aktiver Bewegungs-Apparat, etc.) braucht Bewegung.

Durch Sitzende/ inaktive Tätigkeiten, über einen längeren Zeitraum fährt der Körper seine Stoffwechselprozesse nach und nach auf ein Minimum herunter. Das kann Schädigungen hervorrufen, wie z. B.: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Depressionen und Probleme wie; Verspannungen, Verschleiß oder Dysbalancen am Bewegungsapparat. Aber nicht nur das “WIELANGE” Wir sitzen ist entscheidend, sondern auch, dass “WIE” Wir sitzen (unsere Haltung) ist ein wichtiger Faktor! Eine schlechte Sitzpostion, eine schlechte Sitzhaltung, treibt den Verschleiß nur umso schneller voran. Nicht zu vergessen ist: Eine Aufrechte und physiologische Haltung ist für einen gesunden Körper genau so wichtig wie im stehen.

Was ist passiert?

Wir sind nicht mehr darauf angewiesen uns Nahrung durch Jagd zu beschaffen, den Horizont nach Essen abzusuchen und in die ferne zu Blicken um potenzielle Gefahren zu erspähen. Unser Essen befindet sich in greifbarer Nähe, unkompliziert und vor allem schnell! Wir richten unsere Aufmerksamkeit stundenlang auf kleine, mittlere und große Bildschirme, ohne dabei auch nur Ansatzweise unsere Sitzpostion oder Körperhaltung zu verändern.

Von unserer Ursprungsform: Den ganzen Tag im freien, den ganzen Tag in Bewegung: essen, jagen, Früchte und Kräuter sammeln, Unterkünfte bauen und immer wachsam gegenüber Feinden sein, sind wir weit entfernt. Alles ist bequem geworden: Unsere Strecken die wir zu Fuß zurück legen, werden immer kürzer (Zuhause – Auto – Garage – Lift – Arbeitsplatz – und wieder zurück). Die Öffentlichen Verkehrsmittel sind überfüllt, Rolltreppen werden Treppen vorgezogen und lieber wird am Aufzug gewartet als die Treppe zu benutzen. Die Entwicklung der heutigen Zeit macht es Möglich. Mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren, muss nicht zwingend zur besserung beitragen, sofern Wir uns mit der gleichen ungesunden Haltung hinter den Lenker gelümmelt wird. Auch auf dem Stillen Örtchen werden wir nicht verschont (wir Frauen zu mindestens nicht.)

Schnell ist gleich effektiv? Nein, aber so verführerisch einfach! Nur ein klick, am nächsten Tag geliefert – ohne dafür aufstehen zu müssen. Durch diesen massiven Mangel an Bewegung, stagniert unser Körper und mit ihm auch seine Versorgungsprozesse, die Folge: unter versorgte Strukturen, bis Dysbalancen, Degeneration und Schmerzen im Bewegungs-Apparat. Die Konsequent, wird in den meisten Fällen, einfach ignoriert. Leider, klappt meistens auch nicht wirklich, weil wir für unsere Entscheidungen verantwortlich sind.

Aber woran liegt das?

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier – das war schon immer so! Er liebt seine Rituale, seine festen Zeiten, seine bekannten Verhaltensmuster, kurz: es ist einfach, es ist bekannt und vermittelt Sicherheit! Der Körper ist ebenso, von Natur aus, auf Energie sparen konzipiert.

Ja, es nicht gerade leicht in der heutigen Zeit, in der alles Möglich ist. Der Drang nach sofortiger Belohnung wird immer größer, ohne Rücksichtname auf zukünftige Konsequenzen, die diese kurzfristige Befriedigung in sich trägt. Zu selten machen wir uns Gedanken darüber was die Folge unseres Verhalten nach sich zieht, sofern wir unsere Komfortzone dadurch nicht verlassen müssen. Lieber warten Wir ab bis es zu spät ist.

Doch was tun?

Wir sind gewohnt so zu sitzen, uns so zu (ver-)halten, weil wir es jeden Tag an die 1000x wiederholen, wir machen immer wieder dasselbe. Übung bzw. Wiederholung macht den Meister! Um eine neue Motorik zu erlernen sagt man (je nach Literatur) benötigt es ca. 5000 – 10 000 Wiederholungen um diese einzuschleifen und bis zu 100 000 um diese zu automatisieren. Leider ist die Zahl nicht sehr unrealistisch – wenn man mal überlegt, wie langen wir (in Minuten umgerechnet) tatsächlich aufrecht stehen, sitzen oder gehen.

Um eine aufrechte und „gerade“ Körperhaltung einzunehmen und beizubehalten erfordert jede menge Achtsamkeit, Kraft und Körperwahrnehmung, besonders wenn man diese längerfristig aufrecht erhalten möchte.

Was könnte helfen?

Ob es dafür eine Patentlösung gibt – ich habe keine Ahnung. Meiner Meinung nach: Muss jeder, individuell auf seine eigene Person und seine Bedürfnisse/ Alltag, selbst heraus finden was er möchte und wie er dies umsetzten und einbauen kann. Körperwahrnehmung und Achtsamkeit, dürfte aber in jedem Fall sehr viel zum Erfolg beitragen.

Hier sind ein paar kleine Inspirationen, welche mir und meinen Freunden geholfen haben, zusammen geschrieben:

– Leidensdruck: Am Anfang steht der Leidensdruck (!) ohne Schmerz, ohne den „jetzt-geht-nichts-mehr-Faktor“ passiert gar nichts (ohne den inneren Wunsch, etwas zu verändern). Es muss erst kaputt sein, oder kurz davor, bevor man anfängt zu Handeln (ich spreche aus eigener Erfahrung, die Ausnahme bestätigt natürlich die Regel). Warum warten bis alles Kaputt ist wenn ein kräftiger Tritt gegen das Schienbein helfen könnte?

– Zielsetzung: Was will ich, für mich überhaupt? Gib dem „Kind“ einen Namen. Schaff Dir Klarheit. „Was möchtest Du?“ Schreibe Dein Ziel auf. (Studien besagen: Das Menschen, welche Ihre Ziele aufschrieben erfolgreicher darin sind diese umzusetzen: (Quelle: http://www.huffingtonpost.de/2015/07/16/ziele-aufschreiben-erfolg_n_7808166.html)

– Achtsamkeit und Wahrnehmung: Die Tatsache, dass man sich hinsetzt, einen verdammten Zettel rauskramt und sich auf die Suche nach einem gut schreibenden Stift macht, sagt schon aus das man sich damit beschäftigen möchte. Man beginnt sich mit dem Problem auseinander zu setzten. Man beginnt darüber nachzudenken. Ist “DAS” nicht der Schlüssel? Alles ist erlaubt was hilft. Wenn es die gelben Klebe Zettel sind, warum nicht?!

– Übung macht den Meister: Immer wieder dasselbe! Es funktioniert im Sport und es funktioniert auch bei neuen Gewohnheiten. Alte Gewohnheiten den Laufpass zu geben kann sich anfänglich komisch anfühlen (unsicher, unbekannt oder komisch) Finde eine Möglichkeit Deinem Körper das Du geben was er braucht – Bewegung. Im richtigen maß, individuell auf Deinen Körper angepasst und vor allem in der richtigen Ausführung! Mache Bewegung zu (D)einer Gewohnheit. Integriere es als neuen Bestandteil in Dein Leben – um letztendlich die köstliche Früchte zu ernten, die eine physiologische Haltung im Sitzen und im stehen, mit sich tragen kann.

Wir hoffen Euch, mit diesem Text eine kleine Motivation und Inspiration geben zu können. Für mer Bewegung, ohne Schmerzen oder Einschränkungen im Alltag.

Geschrieben von: Nicole J. (Fitness Coach für Functionales Training) & Daniel W. (Physiotherapeut)

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.